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Ein Spaziergang durch Wien

»Frühling in Wien« – das ist gerade nach einem so langen, trüben Winter etwas ganz besonders Erfreuliches. Also haben wir an den ersten lauen Tagen einen Streifzug durch die Bundeshauptstadt unternommen.

Von Christa Mössmer (Text) und Michael Mössmer (Fotos)
     
Teil 2: Vom Schottenring zur Hofburg    
   

Und schon befinden wir uns auf der berühmten Wiener Ringstraße, wo wir – am Schottenring – die 1877 fertiggestellte, ehemalige Börse in klassizistischer Renaissance sehen. Heute sind verschiedene Unternehmen dort eingemietet, die Wiener Börse hat seit einigen Jahren ihren Sitz in der Wallnerstraße im ersten Bezirk.


Wenige Meter weiter, an der Ecke Schottenring und Liechtensteinstraße, stand einstmals das Ringtheater, das am 8. Dezember 1881 knapp vor Beginn einer Vorstellung völlig niederbrannte. Man vermutet, daß der Brand bis zu 448 Menschenleben gefordert hat. Anstelle des abgebrannten Theaters wurde das „Sühnehaus“, wie es im Volksmund hieß, erbaut. Aus der Privatschatulle Kaiser Franz Josephs. Alljährlich wurde ein Gedenkgottesdienst abgehalten, bis es 1945 von Bomben zerstört wurde. Heute steht dort das Bürogebäude der Bundespolizeidirektion.


Beim Schottentor angekommen blicken wir über einen großen Platz und sehen die von Johann Heinrich von Ferstel im neugotischen Stil erbaute Votivkirche, die zum Dank für die Errettung des Kaisers Franz Joseph I. nach einem Attentat am 18. Februar 1853 erbaut wurde. 1879 konnte die Kirche fertiggestellt werden – 300.000 Menschen spendeten damals für die Errichtung. Das Hochgrab von Niklas Graf Salm, dem Verteidiger Wiens während der Türkenbelagerung 1529, wurde in die Votivkirche verlegt, ebenso der „Antwerpener Altar“ aus dem 15. Jahrhundert, der im Eigentum des Kaiserhauses stand.


Von Josef Heinrich von Ferstel entstand auch das prächtige Gebäude der Wiener Universität, vor dem wir nun stehen. (Der Bau der Ringstraße begann übrigens am 29. Februar 1864, wobei bereits 1857 mit der Schleifung der Wiener Stadtbefestigung begonnen wurde.) Die Universität wurde von 1873 bis 1883 im italienischen Renaissancestil erbaut. Eröffnet wurde sie aber erst am 10. Oktober 1884. 13 Jahre später wurde mit Gabriele von Possaner die erste Frau in Wien zum „Doktor der gesamten Heilkunde“ promoviert, obwohl sie bereits in Zürich das Doktorrat erworben hatte. Sie mußte hier alle Prüfungen erneut ablegen!
   

Wenn wir nun die Grillparzerstraße überqueren und den Rathauspark mit seinen wunderschönen Springbrunnen betreten, ist es uns nicht bewußt, daß sich hier einstmals der „Paradeplatz am Josefstädter Glacis“ befand und der sich vom heutigen Schmerlingplatz bis zur Universitätsstraße hin erstreckte (also von der Universität bis zum Justizpalast). Der Autor Fred Hennings zitiert den damaligen Bürgermeister Cajetan Felder: „Mich hat durch mehr als 25 Jahre das Los getroffen, fast täglich viermal diese Schandpartie des damaligen Wien in Sonnenbrand und Nachtnebel, Sturm und Unwetter, Regen und Schneegestöber, in Staubwolken und wie im roten
Meer durchwandeln zu müssen. Der große, fast unübersehbare Raum vor dem Franzenstor war eine trostlose Einöde. Bei trockener Witterung eine Sandwüste, bei nassem Wetter ein Sumpf oder ein gefrorener Teich. (...) Die Beleuchtung war eine so spärliche und die öffentliche Sicherheit eine so geringe, daß man immer froh aufzuatmen pflegte, wenn man die Passage, ohne sich in der Finsternis vergangen zu haben oder ohne angefallen worden zu sein, überstanden hatte.“


Heute ist der Rathauspark einer der schönsten Plätze Europas. Er ist etwa 40.000 m2 groß, die Parkhälften sind durch den Rathausplatz getrennt, auf dem nahezu ganzjährig Kultur- und Sportevents veranstaltet werden. Alljährlicher winterlicher Höhepunkt ist der Christkindlmarkt („Adventzauber“) im November und Dezember. Ab Jänner lädt ein Eislaufplatz, im Sommer ein Freilichtkino (Opernfilmfestival) WienerInnen und Gäste ein. Gesäumt wird der Rathausplatz von acht überlebensgroßen Marmorfiguren von bedeutsamen Persönlichkeiten, die früher auf der Elisabethbrücke über den Wienfluß (vor der Karlskirche) standen.


Das Rathaus selbst wurde 1872 bis 1883 im neugotischen Stil von Friedrich Schmidt erbaut. Der Arkadenhof in der Mitte des Rathauses – der größte von sieben Innenhöfen – ist eine grüne Oase und festlicher Rahmen für verschiedene Veranstaltungen.


Über den Rathausplatz schlendern wir zum Burgtheater, dem zweiten Wohnzimmer der Wiener, wie es wegen seiner großen Beliebtheit heißt. Am 14. März 1741 überließ Kaiserin Maria Theresia dem Theaterunternehmer Selliers ein neben der Hofburg leerstehendes Ballhaus zur Verpachtung an Schauspielertruppen. Ihr Sohn Joseph II. stellte es 1776 per Dekret als „Teutsches Nationaltheater“ unter die Administration des Hofes. Damit begann die Glanzzeit der deutschsprachigen Schauspielkunst in Wien. Seit 1794 trägt das Theater den Namen „K.K. Hoftheater nächst der Burg“. Nach 130 Jahren Spielbetrieb wurde am 14. Dezember1888 – nach vierzehnjähriger Bauzeit – das neue Theaterhaus von Gottfried Semper und Karl Hasenauer am Ring eröffnet. Als Eröffnungsvorstellung gab man „Esther“ von Franz Grillparzer und „Wallensteins Lager“ von Friedrich Schiller. Obwohl das Haus seit 1919 einfach „Burgtheater“ heißt, hat sich an seiner Stirnseite ebenso wie an der Rückseite die alte Aufschrift „K.K. Hofburgtheater“ erhalten. Während der letzten Kriegstage des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus am Ring durch Bombeneinschläge stark beschädigt, erst 1955 konnte das Schauspiel wieder in das in alter äußerer Form wiederaufgebaute, aber technisch erneuerte Haus am Ring zurückkehren.
   

Lust auf eine kleine Erfrischung? Auf einen Kleinen Braunen? Gleich nebenan wartet das bekannte Café-Restaurant „Landtmann“. Oder wir gehen noch ein Stück weiter, in den Volksgarten, und lassen uns in der „Meierei“ eine der herrlichen Mehlspeisen kredenzen. Wundern Sie sich nicht, wenn sich die Spatzen auf unseren Tisch setzen und darauf warten, ein Bröserl von unseren Torten abzubekommen.


Der Volksgarten wurde auf den Gründen der von den Franzosen 1809 zerstörten Wallanlagen vor dem Ballhausplatz angelegt und 1862 nach Ausfüllung des ehemaligen Stadtgrabens gegen die Ringstraße zu erweitert. Der Theseustempel, von Nobile erbaut, ist ein beliebter Treffpunkt und Aufenhaltsort für Jugendliche, die dort musizieren oder einer der Autoren-Lesungen zuhören. Lässig sitzt man auf den Stufen, liest oder genießt ein Sonnenbad inmitten des schönen Gartens, der, wie eigentlich alle Wiener Parks, mit wunderschönen angelegten Blumenbeeten beeindruckt. Und das muß an dieser Stelle einmal gesagt werden: Kaum eine andere Stadt in der Größe Wiens legt so großen Wert auf gepflegte Grünflächen und Reinlichkeit. Als ich noch Kind war, mußte man übrigens noch Miete zahlen, wenn man auf einem der zahlreichen Gartensessel verweilen wollte. Eine Frau mit Umhängetasche kassierte damals einen Schilling pro Kopf und Nase.


Dem wohl berühmtesten Dichter Österreichs, Franz Grillparzer, wurde dort ein Denkmal gesetzt. Kaiserin Elisabeth ist in Marmor verewigt. Franz Grillparzer soll einmal gesagt haben, es wäre ihm lieber gewesen, man hätte das Geld für ein Denkmal dem Dichter zu Lebzeiten zur Verfügung stellen sollen, denn da wäre einem Künstler mehr geholfen gewesen. An diesem Schicksal vieler Künstler, knapp bei Kasse zu sein und um Anerkennung und finanzielle Unterstützung betteln zu müssen, hat sich heute nichts geändert.


Eine gute Wiener Torte und Kaffee haben wir nun genossen und können unseren Spaziergang fortsetzen. Wir queren die stark befahrene Ringstraße und stehen vor der 5,5 Meter hohen Monumentalstatue der Pallas Athene vor dem Parlament. Sowohl Athene als auch das Gebäude wurde vom dänischen Architekten Theophil Hansen in altgriechischen Formen entworfen. 1883 war der Bau vollendet, doch die endgültige Fertigstellung war erst mit der Errichtung des Pallas-Athene-Brunnens nach Hansens Tod vom Bildhauer Carl Kundmann fertiggestellt worden.


Vom Parlament wandern wir zum Maria-Theresia-Denkmal, das von Kaspar von Zumbusch zwischen dem Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum in der Zeit von 1874–1887 errichtet wurde. Mit dem Bau der beiden Museen wurde 1872 unter Karl Hasenauer und Gottfried Semper begonnen.
   


Die Innenausstattung des Kunsthistorischen Museums erfolgte von namhaften Künstlern wie Hans Makart, Michael Munkáczy, Gustav und Ernst Klimt, Rudolf Weyr und August Eisen- menger. Von den insgesamt zwölf Teilgebieten der Sammlungen des Museums konnten sechs untergebracht werden, besonders die Gemäldegalerie (der habsburgische Bilderbesitz seit dem 15. Jh.). Der Bestand der Sammlungen ging aus den landesfürstlichen Sammlungen in Wien, Ambras (Tirol), Graz, Innsbruck, Brüssel und Prag hervor. Der Gründer der Sammlungen im Naturhistorischen Museum war Franz Stephan von Lothringen, der Gatte Maria Theresias, der die zu seiner Zeit berühmteste Sammlung von Johann Ritter von Baillou kaufte und mit Stücken aus der ganzen Welt erweiterte. Heute bestehen die Sammlungen aus mehreren Millionen Stücken.


Wir überqueren neuerlich den Ring, durchschreiten das Heldentor und treten auf den Heldenplatz mit den beiden prachtvollen Reiterstandbildern von Erzherzog Karl und Prinz Eugen von Savoyen. Der große Platz wird vom Leopoldiner Trakt (heute Sitz des Bundespräsidenten), der Neuen Hofburg und eben dem Heldentor begrenzt. Die Neue Hofburg entstand nach Plänen von Karl von Hasenauer und Gottfried Semper und wurde erst 1913 fertig. Nun wollen wir noch zum Michaelertrakt. Der mächtige Kuppelraum mit einer Höhe von 54 Metern beeindruckt schon sehr. Dieser Trakt wurde schon 1730 von Emanuel Fischer von Erlach begonnen, aber bald darauf eingestellt, erst 1889 von Ferdinand Kirschner weitergebaut und 1893 vollendet. Zwei Jahre später beginnt Edmund Hellmer mit den Arbeiten für die beiden kolossalen Wandbrunnen auf der Seite zum Michaelerplatz: Links „Die Macht zur See“, rechts „Die Macht zu Lande“.


Über einige Seitengassen erreichen wir den
Graben, der mit der Kärntner Straße als die Shopping-Meile der Innenstadt gilt.

Es folgen noch:
Teil 3: Von der Oper in den Prater
Teil 4: Vom Lusthaus nach Schönbrunn und in den Lainzer Tiergarten zur Hermesvilla
     
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erstellt am 12. 09. 04 © http://www.daswienerlied.at