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Wien und seine Musik vor 45 Jahren


Hernals – Eine Betrachtung im Wandel der Zeiten


Von Joe Hans Wirtl *)
     
Ebenfalls ein Füllhorn an Unterhaltung gab es in Hernals, dem 17. Wiener Gemeindebezirk, wo auch meine Wiege stand, in der Blumengasse 21. Damals ein typisches einstöckiges Alt-Wiener Haus ohne elektrische Beleuchtung und Gasanschluß. 1964 fiel es der Spitzhacke zum Opfer und die Gemeinde Wien errichtete ein Wohnhaus, das der heutigen Zeit entspricht und den Mietern ein angenehmes Wohngefühl bietet.

Die gute, alte Zeit war ja eigentlich nur im Sinne der Jugendzeit schön, mußten doch die meisten Vorstadtkinder oft zu dritt in einem Bett schlafen und untereinander Schuhe und Kleider teilen.

Beginnen wir an der Peripherie, wo in der Neuwaldegger Straße kurz vor der Höhenstraße der "Engelwirt" war. Dort gab es viele Veranstaltungen, Bälle, Kränzchen und sonstige Feierlichkeiten. Fast alle damaligen Musiker und Unterhaltungskünstler traten dort auf. Ebenfalls bei "Resitant" bei der St.-Anna-Kapelle im Bereich der Endstation der Linie 43 gab es immer a Hetz und a Gaude, wie der Wiener zu sagen pflegt. Von der Blasmusik bis zum Schrammelquartett war alles musikalisch vertreten. Ein Gefühl von guter Unterhaltung schwebte über dem Etablissement.

Einige Schritte stadtwärts befand sich die "Wald-Schnepfe", wo ebenfalls Musik ganz groß geschrieben wurde. Die Tanzkapelle "Carly Strotzka" spielte zum Tanz hauptsächlich amerikanische Schlager, was auch die Besatzungssoldaten anlockte. Auch Mitternachtskabarett fand statt, viele Artisten und Vortragskünstler traten damals auf und trugen zur Unterhaltung bei. Auch Kurt Enzl mit den "3 Berrys" trat dort auf und wurde sogar von den "Amis" mit viel Applaus bedacht.

Bei der Dornbacher Straße gab es den "Morawek", wo die österreichische Heimatbühne beheimatet war. Direktor Karl Lellis (ehemaliges Mitglied der Löwinger-Bühne) bot ein volkstümliches Theaterprogramm, das fast täglich ausverkauft war.

Nahe dem Elterleinplatz habe ich noch das "Etablissement Klein" in Erinnerung. Gegenwärtig heißt es "Metropol" und ist wie einst eine Kultstätte der Unterhaltungskunst. In der "Haslinger-Bühne" mit Carl Haslinger und Tochter Gretl sowie Franz Borsos, Fritz Piletzky und bekannten damaligen Schauspielern wurden Singspiele, Bauernstücke und Varieteprogramm geboten und es gab keinen Künstler, der dort nicht auftrat. Conferenciers wie Ernst Track, Max Lustig, Gert Türmer und viele andere führten durchs Programm. Nicht zu vergessen das "Restaurant Alszeile", wo der HBB (Humanistischer Bund der Berufssänger) jahrelang beheimatet war. Künstler wie Pepi Klingel, Otto Bartos, das Duo Reichel-Michalek, Lea Warden, Rolf Genter und unzählige Interpreten des Wienerliedes wie Hansl Höchsmann, der letzte Schrammelkomiker von Wien.

Auch im "Cafe Alsegg" gab es Musik in der Hernalser Hauptstraße bei der Wattgasse. In den fünfziger Jahren war dort das "Duo Czapek" zu hören.

Nun zurück Richtung Gürtel, wo sich der "Geschwandtner" befand, ein Etablissement im Biedermeierstil mit großem Saal und Nebenräumen. Gigantische Bälle fanden dort statt, Varieteprogramme, Tanzveranstaltungen mit den bekanntesten Orchestern wie Hans Neroth, Karl Grimm, Herbert Manhart, Leo Jaritz, Eduard Pfleger und vielen Ensembles. In der Jörgerstraße befand sich noch ein Teil des "Stalehners", der andere fiel Bombenangriffen zum Opfer. Im Kellergewölbe des übriggebliebenen Etablissements fanden Tanz- und Varieteveranstaltungen statt bis zum Jahre 1954. Im "Cafe Kalvarienberg" spielte auf seiner Knopfharmonika der "Schuaster Emil" alte Weanatanz für seine verwöhnten Gäste und in der Antonigasse beim "Steffan" gab es auch Wiener Musik, wo Karl Jakobi seine Schmankerln interpretierte.

Es gab in den Kinos wie Gloria-Kino, Royal-Kino, Titania-Kino Bühneneinlagen vor der Kinovorstellung sowie Matinees und Jazzveranstaltungen. Alles vorbei, nur ein Hauch von dem Lied "So wars amol draußt an der Als". 
   

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Joe Hans Wirtl (6. 11. 1930 bis 9. 1. 2003), war Autor, Komponist, Musiker, Moderator, Notenautograph, Schriftführer beim Verein österreichischer Textautoren, 5 Jahre Präsident/Obmann der "Wienerlied-Vereinigung Robert Posch", ordentliches Mitglied der AKM; Träger des Ehrenzeichens der Stadt Wien in Silber, des Hutes vom lieben Augustin in Gold, des Goldenen Violinschlüssels, des Fenstergucker-Reliefs und der Robert Stolz-Medaille; nicht zuletzt war Joe Hans Wirtl Redaktionsmitglied der Wienerlied-Zeitung "Der liebe Augustin", der wir diesen Beitrag entnommen haben. Wir danken der Redaktion für die Erlaubnis! 
     
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erstellt am 08. 09. 04 © http://www.daswienerlied.at