Sie befinden sich hier: Das Wienerlied > gestern, heute, morgen  

Ihre MItteilung zu diesem Thema >>> 


Wien und seine Musik vor 45 Jahren


Rudolfsheim – Eine Betrachtung im Wandel der Zeiten


Von Joe Hans Wirtl *)
     
Der 15. Bezirk hatte vor 45 Jahren noch einen musikalischen Pulsschlag, Unterhaltung wurde damals noch groß geschrieben. Denkt man an die Kochmannsäle, wo in der Faschingszeit fast täglich eine Ballveranstal-tung stattfand. Kapellen wie Charly Kaufmann, Rudi Tanzer, Edi Macku jr., Charly Molterer, Hans Neroth mit Marion Soremba und viele Ensembles unterhielten mit Melodie und Rhythmus ihr Publikum.

Auch in dem nahen "Schutzhaus Zukunft", das über 500 Personen faßte, war zum Wochenende immer tolle Stimmung. Alfred Glatzmayer veranstaltete viele Kränzchen und seine beliebten Kinderbälle waren sehr gefragt. Am anderen Ende der Schmelz war das "Colosseum", ein ursprünglicher Zirkus, zum Theater umgebaut und für alle künstlerischen Zwecke verwendbar. So gab es dort die Löwinger-Bühne, die Bauernbühne Fischer, Varietevorstellungen, Konzerte mit Horst Winter und dem Wiener Tanzorchester sowie die "5 Hawaiiboys" und ihren Erstauftritt feierten dort Leila Negra und Peter Alexander. Ein zweites Colosseum gab es in Favoriten, wo die Löwinger-Bühne beheimatet war und das 1945 in den letzten Kriegstagen einem Brand zum Opfer fiel. Ein Lokal ähnlicher Art gab es auch bis 1945 im 5. Bezirk am Matzleinsdorfer Platz: das "Margaretner Orpheum", das ebenfalls ein Brandopfer des 2. Weltkrieges wurde. Alle drei Musentempel wurden um die Jahrhundertwende von der Zirkusfamilie Guldan gegründet, das Colosseum auf der Schmelz wich 1958 dem Hauptstützpunkt des ÖAMTC.

Zum 5-Uhr-Tee tanzte man gern im "Cafe Ludwigshof", wo die Jazzkapelle Hertl vom Tango bis zum Boogie jedes Tanzbein faszinierte. Für Nachtschwärmer gab es das "Rote Laternderl", später "Japanbar", die von Barbesuchern sehr gefragt war. Bobby Korb verwöhnte seine Gäste am Klavier mit Liedern wie: "Ein blondes Wuschelhaar", "3 Frauen", "Das alte Lied" und vielen anderen besonderen musikalischen Schmankerln. Auch solche melodische Leckerbissen bekam man beim "Geigenden Wirt" Heini Krupicka zu hören. In der Kellingasse nahe der Sechshauser Straße versteckt war das Lokal für Kenner eine gute Adresse.

Am Anfang der Goldschlagstraße befand sich das "Cafe Effenberger", wo es nie eine Sperrstunde gab. Alles was von einer unterhaltsamen Nacht übrig blieb an Nachtschwärmern, traf sich dort noch zum Abschluß auf einen Mokka oder für Kartenspieler auf ein Bummerl. Und für das lustige Völkchen spielte unermüdlich Kurtl Hausner mit seinem Akkordeon harbe Tanz bis zum Sonnenaufgang.

Schade ist um ein großes Tanzcafe, das sich am Anfang der äußeren Mariahilfer Straße befand. Ecke Palmgasse war das Cafe Palmhof etabliert und erfreute sich ein halbes Jahrhundert lang seiner Beliebtheit. 5-Uhr-Tee, Publikumstanz mit Kapellen wie Hans Neroth, Viktor Duchini, Ludwig Babinski und viele bekannte Bands ließen das Herz der Tanzfreudigen höher schlagen. Kurz nach Kriegsende diente es der französischen Besatzungsmacht als Militär-Club, wo die marokkanische Division ihren Sitz hatte.

Am Ende der äußeren Mariahilfer Straße gab es das "Cafe Alraune", wo man den Komponisten Oskar Schima fand. Wer kennt nicht die Lieder: "Es hat a Weanaliad an meinem Herzen g'rührt", "Mir hat heut tramt, es gibt kan Wein mehr" oder "Mamatschi". Noch zu erwähnen ist das "Restaurant Orfandl", ebenfalls in der Mariahilfer Straße, das viele Jahre der Vereinigung "Das Wiener Lied" als Vereinsheim diente.
   

Die anderen Bezirke:
Einführung und Innere Stadt (I.)
Leopoldstadt (II.)
Landstraße (III.)
Josefstadt (VIII.)
Alsergrund (IX.)
Meidling (XII.), Hietzing (XIII.), Penzing (XIV.)
Ottakring (XVI.)
Hernals (XVII.)
Währing (XVIII.)
Döbling (XIX.)
Floridsdorf (XXI.)

     
Joe Hans Wirtl (6. 11. 1930 bis 9. 1. 2003), war Autor, Komponist, Musiker, Moderator, Notenautograph, Schriftführer beim Verein österreichischer Textautoren, 5 Jahre Präsident/Obmann der "Wienerlied-Vereinigung Robert Posch", ordentliches Mitglied der AKM; Träger des Ehrenzeichens der Stadt Wien in Silber, des Hutes vom lieben Augustin in Gold, des Goldenen Violinschlüssels, des Fenstergucker-Reliefs und der Robert Stolz-Medaille; nicht zuletzt war Joe Hans Wirtl Redaktionsmitglied der Wienerlied-Zeitung "Der liebe Augustin", der wir diesen Beitrag entnommen haben. Wir danken der Redaktion für die Erlaubnis! 
     
zurück  

     

     

erstellt am 08. 09. 04 © http://www.daswienerlied.at