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Wien und seine Musik vor 45 Jahren


Währing – Eine Betrachtung im Wandel der Zeiten


Von Joe Hans Wirtl *)
     
Der 9. Bezirk zählte ebenfalls zu den Bezirken mit den meisten Unterhaltungslokalen in Wien. Die "Koralle" in der Porzellangasse war eine gute Adresse für dezente Tanzmusik. Ein schönes Lokal, das später als erstes Nachtlokal eine Westinghouse-Klimaanlage installiert bekam. Zu hören waren nur erstklassige Barkapellen, unter anderem Kapellmeister Emo Weihofsky, Viktor Prinz, Franz Reichel, Joschi Hoffmann und viele andere.

Im "Cafe Bauernfeld" gab es zum Wochenende ebenfalls Musik und am Julius-Tandler-Platz im "Cafe Mozart" hörte man ein Trio, das auch zum Tanz aufspielte. In der Alserbachstraße im "Feuervogel", das heute noch existiert, spielte und sang Boris Rubaschkin, der jetzt in Salzburg lebt und bei den Festspielen als Sänger mitwirkt.

In der Nußdorfer Straße im Colosseumhaus befand sich die "Fischerbar", eine Tanzbar und erster Austragungsort der Nachwuchstalenteshow "JE KA MI" (Jeder kann mit). Der bekannte Sänger und Gitarrist Peter Horton stand dort zum erstenmal auf der Bühne. Viele bekannte Musiker belebten damals dort die Szene und betrachteten das Lokal als Sprungbrett für eine musikalische Karriere.

Im selben Haus wie schon erwähnt war das "Colosseum-Kino", wo viele Matineen veranstaltet wurden, auch Varieteprogramme waren zu sehen, unter anderen Turl Wiener und Fritzi Rolly, die den älteren Lesern bestimmt noch ein Begriff sind.

Ein Musentempel besonderer Art ist die "Wiener Volksoper", die unverwüstlich trotz Theaterkrisen blieb. Jeder Wiener kennt seine Volksoper und dazu ist jeder Kommentar überflüssig. Vis ä vis im "Cafe Kuhnhof" gab es täglich Tanzmusik. Nicht zu vergessen das Etablissement zum "Auge Gottes". Dort war auch die "Bauernbühne Fischer" etabliert und alternierend mit dem "Theater Auge Gottes" unter der Direktion von Walter Keller sah man Operetten wie: "Blume von Hawaii", "Im weissen Rössl", "Der Rastelbinder"und viele andere Aufführungen. Auch Bälle und andere diverse Veranstaltungen wurden im Auge Gottes abgehalten.

In der Liechtensteinstraße bei der Harmoniegasse gab es das "Cafe Harmonie", auch ein Nacht-Cafe mit Musik. Alleinunterhalter wie Joschi Wasata, Antonie und Akkordeonisten belebten die musikalische Szene.

Nicht zu vergessen, die vielen großen Kinos im 9. Bezirk trugen viel zur kulturellen Belebung bei.
Die nächsten Bezirke sind damals schwach bestückt gewesen in punkto Musik.

Im 10. Bezirk gab es die "Tanzschule Mader" mit Live-Musik, die Kapelle Mertl swingte auf. In Oberlaa gab es noch wenige Heurige und Musik machten sich die Gäste selbst. In der Gudrunstraße war der "Stadtheurige Kozi", wo der Chef selbst als Interpret tätig war. Und der singende Wirt Paul Sejkot gab in seinem Lokal in der Laxenburger Straße die schönsten Wienerlieder zum besten.

In Simmering war mir damals kein Lokal mit Musik bekannt.

Anm. d. Red.: Heute findet man hervorragende Musik bei der Weinschenke Strauss,
1110 Wien, Kaiserebersdorfer Straße 58, Telefon: 769 84 84, http://www.weinschenke-strauss.at/
   

Die anderen Bezirke:
Einführung und Innere Stadt (I.)
Leopoldstadt (II.)
Landstraße (III.)
Josefstadt (VIII.)
Meidling (XII.), Hietzing (XIII.), Penzing (XIV.)
Rudolfsheim (XV.)
Ottakring (XVI.)
Hernals (XVII.)
Währing (XVIII.)
Döbling (XIX.)
Floridsdorf (XXI.)

   

Joe Hans Wirtl (6. 11. 1930 bis 9. 1. 2003), war Autor, Komponist, Musiker, Moderator, Notenautograph, Schriftführer beim Verein österreichischer Textautoren, 5 Jahre Präsident/Obmann der "Wienerlied-Vereinigung Robert Posch", ordentliches Mitglied der AKM; Träger des Ehrenzeichens der Stadt Wien in Silber, des Hutes vom lieben Augustin in Gold, des Goldenen Violinschlüssels, des Fenstergucker-Reliefs und der Robert Stolz-Medaille; nicht zuletzt war Joe Hans Wirtl Redaktionsmitglied der Wienerlied-Zeitung "Der liebe Augustin", der wir diesen Beitrag entnommen haben. Wir danken der Redaktion für die Erlaubnis! 
     
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erstellt am 08. 09. 04 © http://www.daswienerlied.at