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Wien und seine Musik vor 45 Jahren


Josefstadt – Eine Betrachtung im Wandel der Zeiten


Von Joe Hans Wirtl *)
     
Auch der 8. Bezirk war damals eine Hochburg für musi-kalische Unterhaltung. In der Josefstädter Straße gab es das Hotelrestaurant "Weisser Hahn", in dem eine Bar etabliert war und am Klavier der Komponist Ferry Wunsch seine Gäste mit seinen bekannten Kompositio-nen wie "Heut kommen d' Engerln", "Stellts meine Roß in Stall" und vielen anderen Liedern musikalisch ver-wöhnte.

Am Hammerlingplatz war Treffpunkt der Fans von Kom-ponist und Kapellmeister Sylvester Schieder im "Cafe Hammerling". Bei guter Musik hörte man die Interpreten Else Klement, Rudi Palme, Karl Jakobi, Josef Beck und viele andere.

Unmittelbar nahe war die "Ser Bar", eine Tanzbar mit tänzerischen Einlagen. Das Bartrio Karl Käfer und später Ernst Kallert spielten gekonnt zum Tanz auf und einfühlsam begleiteten sie durchs Programm, wo auch Lea Warden und das Tanzpaar Frank Harras und Sylvia Gray zu sehen war.

In der Laudongasse im "Theater-Cafe" spielten zwei hervorragende Musiker: Viktor Schulz, Klavier und Kurt Schaffer, Gitarre. Von Barmusik über Operette, Tanzmusik und Wienerlied beherrschten diese Musiker ihr Programm, kein Wunder, daß sie 10 Jahre lang ihr Publikum faszinierten. Ich habe an Jahren den Rekord überrundet und spielte mit Ernst Stuiber als "Wiener Elite-Duo" 14 Jahre lang dort auf.

Neben dem "Theater-Cafe" befand sich das "Wiener Stadttheater", wo Operette gespielt wurde. Unter der Direktion von Rudolf Österreicher sah man: "Der Zarewitsch" mit Johannes Heesters, "Gruß und Kuß aus der Wachau" mit Fritz Immhoff, Heinz Conrads, Friedl

Loor und Fritz Muliar sowie Singspiele und Matinees. Kapellmeister Prof. Karl Loube betreute mit seinem Orchester den musikalischen Rahmen.

Weiter unten in der Laudongasse gab es das "Cafe Laudon", untertags ein Kaffeehaus für Karten- und Schachspieler, wo man Fatty George und Manfred Petz, den späteren Freddy Quinn, oft treffen konnte. Abends verwandelte sich das Lokal, wie viele andere Kaffeehäuser, in ein Nacht-Cafe mit Barpianisten. Unter anderen war auch Komponist und Kapellmeister Karl Sprowaker sehr lange dort engagiert.

In der Langegasse existierte ein kleines Lokal mit dem Namen "Kistl". Auch dort gab es Musik, Leo Ricka spielte auf seiner Original Hammondorgel bis in die Morgenstunden für seine Gäste.

In der Alser Straße gab es ebenfalls viele Lokale mit Musik. Ecke Hernalser Gürtel und Alser Straße war das "Cafe Pusch", ebenfalls ein Tag- und Nacht-Cafe. Am Klavier hörte man Alois Berger, der selbst auch komponierte. Weiter unten war das "Tischpost-Cafe Frey", ein buntes Völkchen war dort zu sehen. Heute würde man es als Single-Treff bezeichnen. Für Musiker war es ein gutes Geschäft, nicht nur finanziell, sondern auch in der Variabilität des Programms sehr interessant. Damals spielte das Duo Wedl (Klavier-Geige) auf und viele bekannte Musiker waren dort engagiert. Ich durfte nicht fehlen und gab in den fünfziger Jahren mein musikalisches und parodistisches Können zum besten, ebenfalls mit Ernst Stuiber als "Elite-Duo".

In der Albertgasse befand sich auch ein Tanz- und Ballsaal, genannt "Schützensäle". Viele Bälle wurden dort abgehalten, hauptsächlich von Vereinsverbindungen. In der Fuhrmanngasse auf Nummer 8 gab es die "Kowalsky-Säle", ebenfalls ein Balletablissement im Barockstil. Kleinere Bälle sowie Konzerte wurden damals laufend veranstaltet, Jazzkapellmeister Walter Heidrich gab dort einige Konzerte.

Wenn man sich so erinnert, wie groß die Palette der Musik damals war und wie winzig klein sie heute ist, denkt man an das Lied von Prof. Robert Stolz: "Wohin ist das alles, wohin?"
   

Die anderen Bezirke:
Einführung und Innere Stadt (I.)
Leopoldstadt (II.)
Landstraße (III.)
Alsergrund (IX.)
Meidling (XII.), Hietzing (XIII.), Penzing (XIV.)
Rudolfsheim (XV.)
Ottakring (XVI.)
Hernals (XVII.)
Währing (XVIII.)
Döbling (XIX.)
Floridsdorf (XXI.)

   

Joe Hans Wirtl (6. 11. 1930 bis 9. 1. 2003), war Autor, Komponist, Musiker, Moderator, Notenautograph, Schriftführer beim Verein österreichischer Textautoren, 5 Jahre Präsident/Obmann der "Wienerlied-Vereinigung Robert Posch", ordentliches Mitglied der AKM; Träger des Ehrenzeichens der Stadt Wien in Silber, des Hutes vom lieben Augustin in Gold, des Goldenen Violinschlüssels, des Fenstergucker-Reliefs und der Robert Stolz-Medaille; nicht zuletzt war Joe Hans Wirtl Redaktionsmitglied der Wienerlied-Zeitung "Der liebe Augustin", der wir diesen Beitrag entnommen haben. Wir danken der Redaktion für die Erlaubnis! 
     
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erstellt am 08. 09. 04 © http://www.daswienerlied.at