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Wien und seine Musik vor 45 Jahren


Eine Betrachtung im Wandel der Zeiten


Von Joe Hans Wirtl *)
     
Über der Landstraßer Brücke gab es das Cafe "Bürger-Hof", wo es am Wochenende immer Tanzmusik gab, ein Bartrio sorgte damals für gutes Musikprogramm und volles Haus. Ein paar Schritte weiter stand das Wiener Bürgertheater, Operetten und Singspiele waren unter der Direktion vor Prof. Franz Stoß ein Riesenerfolg. Als Dramaturg war Prof. Kurt Nachmann erfolg-reich mit den damaligen Stars wie Waltraud Haas, Friedl Loor, Walter Müller, Erwin Euler, Hilly Reschl, Josef Egger und viele andere. Ecke Heumarkt und Ungargasse war das "Cafe Ungarhof", das Trio Amon musizierte zum Tanz, zur Unterhaltung und ließ dabei das Wienerlied nicht zu kurz kommen. Zurück zur Landstraßer Brücke: neben dem Theater war das beliebte Lokal namens "Bratwurstglöckerl". Von den kulinarischen Genüssen war in dieser Zeit nicht viel zu konsumieren, aber dafür gab es erstklassige Musik in Hülle und Fülle und ein damals junger Pianist namens Richard Karger begeisterte mit seinem brillanten Klavierspiel das Publikum.

Auf der Landstraßer Hauptstraße selbst gab es nicht viel Unterhaltung, erst ab der Juchgasse seitlich in der Eslarngasse war das "Weinhaus Sonntag", wo man am Wochenende sich bei Musik gut unterhalten konnte. Richtung Erdberg war es schon bewegter, im "Cafe Stadion" spielte die Komponistin Gertrude Rind täglich und ihr Repertoire konnte sich hören lassen. Weiter ging es ins "Cafe Pauli", Tanzmusik und Wiener Musik pflegten Georg Tinhof und Harry Spany. Wieder ein paar Häuser weiter in der Erdbergstraße am Kardinal-Nagl-Platz war das "Cafe Wensky", ebenfalls ein Tanzcafe mit Unterhaltungsmusik. Hans Hruby als Geiger und Klarinettist spielte täglich bis um 4 Uhr früh für seine Gäste. Im "Cafe Rabenhof", wo oft Helmut Qualtinger zu Gast war, gab es ebenfalls Musik. Am Rennweg bei der Ungargasse war das "Aspangstüberl", ein barähnliches Lokal mit einem Tanztrio, und im Fasanviertel, zwischen Schutt und Scherben, war das "Gasthaus zu den sieben Zwergen". Komponist Fritz Schrott und Karl Hönig boten besondere Schmankerl auf musika-lischem Gebiet. Am Rennweg stand ein Tanzetablissement mit namens "Zum weissen Lamm", wo kleinere Ballveranstaltungen stattfanden und am Ende des Rennwegs war für Kenner das Nachtcafe "Alt Wien". Von Nachtschwärmern bis zu den Milchkutschern war dort alles vertreten und man legte großen Wert auf gute Musik, die auch geboten wurde. In der Schlachthausgasse neben dem Mautner-Kinderspital existierte das "Cafe Erdberg" mit einem Alleinunterhalter, der keinen musikalischen Wunsch abschlug. Am Ludwig-Kößler-Platz bei der Stadionbrücke war das letzte Lokal meines Streifzuges: "Cafe Hanuschhof". Pianist Karl Hofstädter war, so wie damals alle Kollegen, mit allen musikalischen Wassern gewaschen und bei seinem Spiel dachte keiner ans Nach-Hause-gehen.

Fast hätte ich vergessen die "Sophiensäle" in der Marxergasse mit den rauschenden Bällen und Veranstaltungen. Dort hatte Konzertdirektor Robert Posch 1945 kurz nach dem Einmarsch der Roten Armee bereits seine erste Wienerlied-Veranstaltung den hungernden Wienern präsentiert, mit von der Partie waren Kapellmeister Karl Sprowaker und Gretl Wiener.

Auch der "Schwechaterhof war in den Nachkriegsjahren eine Hochburg von Veranstaltungen. Bälle, Varieteveranstaltungen sowie Radio Wien mit den Sendungen "Die große Chance" mit Maxi Böhm und Heinz Conrads mit "Faß das Glück". Beide unter der bewährten musikalischen Leitung von unserem unvergeßlichen Prof. Norbert Pawlicki.
   

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Joe Hans Wirtl (6. 11. 1930 bis 9. 1. 2003), war Autor, Komponist, Musiker, Moderator, Notenautograph, Schriftführer beim Verein österreichischer Textautoren, 5 Jahre Präsident/Obmann der "Wienerlied-Vereinigung Robert Posch", ordentliches Mitglied der AKM; Träger des Ehrenzeichens der Stadt Wien in Silber, des Hutes vom lieben Augustin in Gold, des Goldenen Violinschlüssels, des Fenstergucker-Reliefs und der Robert Stolz-Medaille; nicht zuletzt war Joe Hans Wirtl Redaktionsmitglied der Wienerlied-Zeitung "Der liebe Augustin", der wir diesen Beitrag entnommen haben. Wir danken der Redaktion für die Erlaubnis! 
     
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erstellt am 08. 09. 04 © http://www.daswienerlied.at