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Wien und seine Musik vor 45 Jahren


Eine Betrachtung im Wandel der Zeiten


Von Joe Hans Wirtl *)
     
Unser nostalgischer Spaziergang geht weiter und bringt Erinnerungen an musikalische Darbietungen aus dem 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt.

Bereits am Anfang der Praterstraße Richtung Praterstern gab es linker Hand ein Lokal, das sich Juliska nannte. Bei dezenter Musik (Klavier und Geige) wurde Barmusik mit etwas ungarischem Charakter gepflegt, und dort traf ich auch den bekannten Komponisten des Liedes "Weiße Chrysanthemen", Karl Ujvari. Auf der selben Straßenseite Nummer 25 war das Wiener Künst-lertheater (ehemals Exlbühne) unter der Direktion von Fritz Eckhart. Es wurden Operetten und Singspiele ins Programm genommen und so mancher heute bekannte Künstler debütierte in diesem Haus. Im selben Gebäude gab es das Cafe Fürstenhof, bei Tag ein Treff von Artisten, Musikern und Kabarettleuten sowie zugleich eine Vermittlungsstelle durch Impressarios. Abends verwandelte sich das Cafe in ein Tanzlokal und man konnte den damaligen jungen aufstrebenden Schlagersänger Willy Hagara hören.

Vis ä vis gab es den Nestroy-Tanzpalast wo man Uzzi Förster jazzen hörte und auch Paul Reischmann zu heißem Jitterbug und Boogie auftrommelte.

In der Komödiengasse beim ehemaligen Carltheater war das Cafe Mozart-Palette, ein Künstlertreff-Lokal. Eine Band mit griechischen Musikern pflegte Hawaii-^Musik und in späteren Jahren war dieses Lokal für internationale Musiker und Sänger nach einem Konzert in Wien ein beliebter Aufenthalt. In der Praterstraße geht es weiter und da gab es das "Cafe Alhambra", ebenfalls ein Bar-Cafe mit dem Charly Seebach-Trio, das exzellente Barmusik pflegte. Rechter Hand war das "Cafe Budapest", wo ungarische Musik gespielt wurde, doch Primas Horvath konnte auch andere musikalische Wünsche erfüllen.

In der Novaragasse im "Cafe Renz" tanzte man bis in den Morgen und am Saxophon hörte man den unermüdlichen Allroundmusiker Leo Hirnschall. Weiter über den Praterstern Richtung Riesenrad gab es noch Resttrümmer des einstigen Wurstelpraters, doch eines der ersten Lokale im neuen Prater war das Restaurant zum "Stillen Zecher" und dort spielte zum Tanze die Kapelle Georg Luksch (Komponist von "Laß das sein").

Wieder zurück vom Prater in die Taborstraße, im "Bayrischen Hof" gab es ein Großvariete mit internationalem Programm, die Kapelle Karl Zaruba gab den musikalischen Schmiß dazu und der unvergeßliche Paradeconferencier Ernst Track sagte: "Ihr Applaus begeistert mich, ich bringe noch ein Gedicht." Neben der Taborstraße in der Hafnergasse existierte ein Lokal namens "Weißes Rössel" und war wegen seiner guten Musik sehr beliebt. Kurt Gratzer, ein Vollprofimusiker, erfüllte mit viel Routine von "Rimsky-Korsakoff" bis "Mei Muatterl war a Weanerin" jeden Wunsch. Am Ende der Taborstraße beim Schwedenplatz stand noch ein Teil des damaligen Hotels Continental und im unteren Teil war noch der Tanzsaal nach den Kriegsereignissen erhalten geblieben und hatte die Namen Waldviertlerhof und Tanzpalast Triumpf (nicht zu verwechseln mit der Annagasse, dort hieß es schon Tabarin). Viele damals bekannte Bands traten dort auf: Orchester Sorrento, die Kapelle Kurt Pechota und auch das Tanzorchester Bert Mayer, das mit dem Trumpet-Blues die Herzen höher schlagen ließ!

Im Taborviertel gab es noch das "Cafe Volkert" mit Alleinunterhaltern und in der Oberen Donaustraße war das "Cafe Rivera" mit dem Duo Beduschi-Sandtner, und wer kann sich noch erinnern, in den späteren fünfziger Jahren an das "Augarten-Stüberl"? Willy Kober, der spätere Schafbergwirt, entdeckte mit den Lanske-Schrammeln die als Spätzünder bekannte Emmy Smayda und Wiens ältester Schrammelkomiker Hans Höchsmann unterhielt dort seine Gäste.
   

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Joe Hans Wirtl (6. 11. 1930 bis 9. 1. 2003), war Autor, Komponist, Musiker, Moderator, Notenautograph, Schriftführer beim Verein österreichischer Textautoren, 5 Jahre Präsident/Obmann der "Wienerlied-Vereinigung Robert Posch", ordentliches Mitglied der AKM; Träger des Ehrenzeichens der Stadt Wien in Silber, des Hutes vom lieben Augustin in Gold, des Goldenen Violinschlüssels, des Fenstergucker-Reliefs und der Robert Stolz-Medaille; nicht zuletzt war Joe Hans Wirtl Redaktionsmitglied der Wienerlied-Zeitung "Der liebe Augustin", der wir diesen Beitrag entnommen haben. Wir danken der Redaktion für die Erlaubnis! 
     
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erstellt am 08. 09. 04 © http://www.daswienerlied.at