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Wien und seine Musik vor 45 Jahren


Eine Betrachtung im Wandel der Zeiten

Als unsere Wienerstadt nach den Kriegsereignissen noch sehr ramponiert war, wo es kaum ein Geschäftsleben gab und man viele Entbehrungen ertragen mußte, konnte man dafür in Hülle und Fülle Musik und Unterhaltung anbieten. Von Joe Hans Wirtl *).
     
In der schwersten Not, bewies ja schon der liebe Augustin, hilft am besten Humor und Musik, die fast in jedem kleinen Beiserl zu finden waren. Mit einem bescheidenen mitgebrachten Imbiß (Schmalzbrot) und dazu etwas Bier und Wein unterhielten sich die ausgehungerten Wiener.

Auch zu den Ballveranstaltungen brachte man sich die Getränke selbst mit und zahlte dafür das sogenannte Stoppelgeld. In bereits unmodernen Ballgarderoben tanzte man bis in die frühen Morgenstunden. Wichtig war damals, viel Vergnügen zu konsumieren, das man in der Kriegszeit versäumt hatte.

So war es auch in den anderen Lokalen, wo man seinen Gästen hauptsächlich Musik und Unterhaltung anbieten konnte.

Beginnen wir mit der Innenstadt: Im wiedererrichteten "Augustiner-Keller" spielten die Augustiner-Schrammeln, Geiger Prinz, Gitarrist und Sänger Fritz Aschauer, die später in England auch das Wienerlied interpretierten. In der "Paulusstube" beim Kommerzialrat Poinstingl war der Komponist Willy Jelinek ("Aber g'rebelt muaß er sein") mit
Sängerin Fifi May zu hören. Im "Urbanikeller" war es Komponist Bruno Lanske, der mit seinem Schrammel-Terzett (Edi Stockhammer, Julius Reisinger) sein Publikum begeisterte; auch beim Wien-Film wirkte Bruno Lanske in vielen Wiener Szenen mit. Im "Stefanskeller" war ebenfalls ein Schrammel-Terzett tätig, Otto Köller auf seiner Knopfharmonika verfügte über ein Riesenrepertoire aus der "untersten Lad'". Auch im "Spatz" war Schrammelmusik zu hören, besonders wenn der Sänger Pepi Dunstetter seinen "Postillion" schmetterte. Im "Feuchten Stock" in der Jasomirgottstraße, oberhalb der "Splendid-Bar", war die unvergeßliche Hannerl Elsner zu hören, und in der "Schmauswaberl" musizierte das Duo Koubek. Der "Dominikanerkeller" hatte schon einen etwas intimeren Charakter und wurde durch einen Alleinunterhalter namens Hannes Dressier ein Begriff.

Auch in den Tanz- und Barbetrieben pflegte man Musik aus Wien. Im "Tanzpalast Triumpf" spielten Horst Winter und das Wiener Tanzorchester, später als "Tabarin" geführt war es Erwin Halletz mit dem W. T. O. und später Fatty George mit seiner Band. In der "Old Vienna Bar" spielte Joschi Ribari, in der "Schiefen Laterne" hörte man in der Bar den König der Bargeiger, Herbert Mytteis, und im nachfolgenden "Moulin Rouge" gab es ein Großaufgebot an Varieteprogramm und Tanzmusik. Es conferierte damals Fritz Muliar. Das Orchester Johannes Fehring, mit den Sängern Charlotte Rank und Willy Hagara, faszinierten ihr Publikum. Die "Kaiserbar" war für verwöhnte Gäste ein Treffpunkt, wo Franz Reichel als Geiger die schönsten Barlieder aus seiner Geige zauberte. In der "Sansibar" war das Swingtrio Danzinger zu hören, später hieß das Lokal "Adebar" und war ein Treffpunkt für Jazzfans.

Freunde der modernen Malerei (Hundertwasser, Hutter) waren dort zu finden, und als Band war damals Walter Hammerl bekannt.

Im "Hofburgkeller" war Zithermusik mit Gebhart Gebauer, ebenfalls Zithermusik gab es im "Habsburgkeller". Im "Grabencafe" spielte die Kapelle Rudi Tanzer zum Fünfuhrtee auf und im "Revuetheater Casanova" waren Dr. Gunther Phillip, Fred Kraus, Raul Retzer und Willy Hufnagel zu sehen. Später gab es am Lichtensteg in der "Alraune" ein Kabarett, das sich die "Kleinen Vier" nannte, mit Dr. Peter Wehle, Fred Kraus, Dr. Gunther Phillip und Eva Leiter. Weiter unten in der Rothgasse war das "Kleine Brettl" mit Rolf Ohlsen etabliert, und alle trugen zur Unterhaltung in der Innenstadt ihr Scherflein bei. Damals war in Wien noch was los.
 

Die anderen Bezirke:
Leopoldstadt (II.)
Landstraße (III.)
Josefstadt (VIII.)
Alsergrund (IX.)
Meidling (XII.), Hietzing (XIII.), Penzing (XIV.)
Rudolfsheim (XV.)
Ottakring (XVI.)
Hernals (XVII.)
Währing (XVIII.)
Döbling (XIX.)
Floridsdorf (XXI.)

     
Joe Hans Wirtl (6. 11. 1930 bis 9. 1. 2003), war Autor, Komponist, Musiker, Moderator, Notenautograph, Schriftführer beim Verein österreichischer Textautoren, 5 Jahre Präsident/Obmann der "Wienerlied-Vereinigung Robert Posch", ordentliches Mitglied der AKM; Träger des Ehrenzeichens der Stadt Wien in Silber, des Hutes vom lieben Augustin in Gold, des Goldenen Violinschlüssels, des Fenstergucker-Reliefs und der Robert Stolz-Medaille; nicht zuletzt war Joe Hans Wirtl Redaktionsmitglied der Wienerlied-Zeitung "Der liebe Augustin", der wir diesen Beitrag entnommen haben. Wir danken der Redaktion für die Erlaubnis! 
     
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erstellt am 08. 09. 04 © http://www.daswienerlied.at