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Was g‘schieht mit dir, du mein Wienerlied?

Vor 500 Jahren begann der Liebe Augustin mit seinem Dudelsack die Wiener zu unterhalten.

Von Joe Hans Wirtl *)
     
Später kamen noch dazu der Flötenblaser, der Harfenist, der Bänkelsänger auf der Laute und auch der Baßgeigermann sowie der Fiedler bildeten den Grundstock der Wiener Volksmusik. Durch die Zuwanderung aus verschiedenen heutigen Bundesländern brachte man auch die Musik nach Wien und dadurch entstanden viele Volkslieder wie "I bin halt a Fuhrmann a schwarer. . ." oder das "Pfeifenkramerlied", der "Weltverdruß" kam aus der Steiermark und so wurden diese Lieder dem Wienerlied eingebunden und sind heute nicht mehr wegzudenken. Damals war das Gasthaus ein beliebter Ort der Verbreitung dieser Musik und auch die Brüder Schrammel hatten ihfe Wurzeln im Waldviertel.

Johann Schrammel erkannte, wie man dem Publikum gute Musik vorsetzt und mit seinem Quartett vertrat er die "Kammermusik" des kleinen Mannes. Es gab kein Etablissement wo nicht die Schrammeln musizierten und die Wiener in Scharen hinströmten. Volkssänger wie der "Bratfisch" (Leibfiaker von Kronprinz Rudolf) oder die Milli Turecek ("Fiakermilli") sangen auf der Pawlatschen das Wienerlied und bereiteten den Wienern damit die größte Freude zusammen mit den Volkssängern. Auch war die Zither ein beliebtes Instrument für Wienermusik und Straßenmusikanten pflegten gerne das Zitherspiel.

So kam das Wienerlied in jedes Haus und wurde zur Tradition, selbst die Kinder lernten dieses Volksgut durch ihre Eltern und Großeltern. In bürgerlichen Häusern wurde Hausmusik gepflegt mit Klavier, Violine, Flöte und Gitarre. Selbst der Liederfürst Franz Schubert komponierte und spielte seine "Winterreise" auf der Gitarre. Schubert bewohnte viele Untermieten und nicht in jeder war ein Klavier unterzubringen (Erdberger Turm). Und hundert Jahre später war wieder eine Wandlung, das Wienerlied damals hatte zum Thema wie "Das vierte Gebot", "Der erste Schnee", "Das letzte Glöckerl" und viele sentimentale Lieder. Natürlich dazu lustige Lieder und ein Hauch vom Sterben lag in diesen Melodien, die sich bis zum heutigen Tage erhalten haben.

Ab nun zweigte sich das Wienerlied in verschiedene Arten ab und es gab Alt-Wiener Tänze (Schrammelmusik), Heurigenmusik, wo der Wein in jeder Facette gepriesen wurde und das gehobene Wienerlied wie "Wien, du Stadt meiner Träume" und viele andere. Das Wienerlied als Volksgut oder Volkslied blieb den Wienern durch mündliche Übertragung ebenfalls bis heute erhalten. Straßenmusikanten, die damals das Wienerlied in die Häuser trugen, ließen das Wiener Volksgut gedeihen.

Als dann das Radio kam, Schallplatten produziert wurden, hatte das Wienerlied immer noch einen guten Stand in den Medien und manches Wienerlied wurde ein richtiger Gassenhauer wie "Schön is so a Ringelspiel" mit Hermann Leopoldi, Ernst Arnold und vielen anderen. Wiener Schlager klangen durch den Äther.

Auch in den Kriegsjahren 1939–1945 wurde das Wienerlied sehr gepflegt und sogar in den Schützengräben gesungen. Auch in den folgenden Jahren, wo die RAVAG ihr Programm ausstrahlte, hörte man Wienerlieder. In den Heurigenorten war es eine Selbstverständlichkeit, das Wienerlied zu pflegen, doch der Zahn der Zeit nagte bereits an vielen Seiten, um das Wienerlied zuerst ins schlechte Licht zu stellen ("Wean, du bist a Taschenfeitl") und später ganz aus dem Programm zu nehmen (Walter Heider, "Ringelspiel"). Das moderne Wienerlied, egal ob rhythmisch oder im Pop-Stil, läßt natürlich nur einen Hauch von Wiener Mentalität zurück. Das Wienerlied steht am Scheideweg, aus den Wurzeln sind viele Zweige gesprossen – welchen Weg wird das Wienerlied weitergehen? Deshalb die Frage: "Was g‘schieht mit dir, du mein Wienerlied?"
   

Wir haben diesen Beitrag der Wienerlied-Zeitung "Der liebe Augustin" entnommen und danken der Redaktion für die Erlaubnis! 

     
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erstellt am 08. 09. 04 © http://www.daswienerlied.at